Grundwerte der Klangtherapie
In den Spielregeln haben wir grundlegende Werte des Festivals festgelegt. Die Klangtherapie steht für Vielfalt, sorgsames Miteinander und konstruktive Fehlerkultur. Wir tolerieren keine Form von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Ableismus, Altersdiskriminierung, Klassismus, (sexualisierter) Gewalt, sowie anderen Formen von Diskriminierung und übergriffigem Verhalten!
Definitionsrecht und Parteilichkeit
Zur Unterstützung Betroffener von Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt verfolgen wir einen betroffenenzentrierten und machtkritischen Ansatz. Das sehen wir als unumgänglich um Ohnmachtserfahrungen mit einer Selbstwirksamkeitserfahrung zu unterbrechen. Dazu gehören die Prinzipien des Definitionsrechts und der Parteilichkeit betroffener Personen. Diese Prinzipien wurzeln in den Befreiungskämpfen des Schwarzen Feminismus und der Lesben- und Schwulenbewegung. Awareness-Konzepte entstanden als Gegenkonzepte zur Privatisierung von (häuslicher) Gewalt und in einer gesetzlichen Lage, die keinen Schutz vor Verleumdungsklagen bot und bietet. Das prägt sie klar machtkritisch und antifaschistisch. Unser Konzept baut auf jahrzehntelange Erprobung und Erfahrungen innerhalb der Community.
Konsens
Konsens ist FRIES:
- Freely given / Freiwilligkeit! ohne Druck, Zwang, Manipulation oder unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen
- Reversible / Widerrufbar: nachdem einer Handlung zugestimmt wurde, ist es jederzeit möglich, die Meinung zu ändern und eine vorherige Zustimmung zurückzunehmen
- Informed: Entscheidungen basieren auf vollständigen und ehrlichen Informationen
- Enthusiastic: die Abwesenheit einer Ablehnung reicht nicht aus (Nein heißt Nein). Enthusiastischer Konsens: Nur Ja heißt Ja
- Specific: Zustimmung bezieht sich auf eine spezifische Handlung, nicht automatisch auf mehrere „mitgemeinte“
Betroffenenzentrierte Unterstützungsarbeit arbeitet Konsens-basiert. Entscheidungen, die sie betreffen, werden nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg getroffen. Sondern die betroffene Person wird in
Transformative Gerechtigkeit
Für kollektives Weiterlernen wünschen wir uns als Festivalgemeinschaft die Möglichkeit, transformative Prozesse anzustoßen und mitzugestalten.
Bedingungen
Ohne aktive Mitarbeit der gewaltverursachenden Person, sind Transformative Prozesse nicht sinnvoll.
Zuständigkeit
Transformative Prozesse sind in der Regel lange und aufwandsintensive Auseinandersetzungen von 1-3 Jahren. Während des Festivalbetriebs besteht dafür keine Möglichkeit. Auch außerhalb des Festivalbetriebs kann der AK Awareness zusätzliche Aufgaben dieser Aufwandsintensität leider nicht übernehmen. In solchen Fällen müssen andere Gruppen zusammengesetzt werden. Der AK Awareness unterstützt die Unterstützer*innen nach Möglichkeit mit Informationen.
Für die Community
Übungsgruppe
Aktuell pausiert: Als „Lesekreis“ startete 2023 der AK Awareness eine lose Gruppe interessierter Personen aus dem Klangtherapie-Umfeld für 14-tägige online-Treffen mit rotierenden Inputs und Skillshares zu Themen zu kollektiver Organisation, Diskriminierung und Machtsystemen.
Weiterbildung Crew + Orga
Außerhalb der Festival-Saison wird pro Jahr ein Workshop zur Weiterbildung angestrebt. Eingeladen werden Orga-Mitglieder und weitere Crew-Mitglieder mit möglichst Multiplikator*innenfunktion. Bisher: 2023 Code of Conduct, 2024 Antirassismus, 2025 Intervision und Awareness-Konzept
Warum Awareness?
Diskriminierung, (sexualisierte) Gewalt und anderes grenzverletzendes Verhalten gehören zum gesellschaftlichen Alltag. Wir können das nicht einfach am Eingang ablegen.
Ziele
ALLE sollen sich wohl und sicher fühlen können. ALLE sollen die Freiheit haben, zu sein wer sie sind, ohne dafür in Gefahr zu geraten. Das geht nicht von alleine.
Das bedeutet
- Barrieren abzubauen und Platz für eine vielfältige Gemeinschaft zu schaffen.
- Als Kollektiv weiter zu lernen, verschiedene Perspektiven einzunehmen, einen machtkritischen Umgang zu finden, sensibel einander zuzuhören, Verantwortung für entstandene Gewalt zu übernehmen, sich an transformativen Prozessen zu beteiligen.
Das Konzept dient als
- Handreichung für Personen, die das Konzept umsetzen
- Verankerung von Werten und Haltungen unserer Struktur
- Reflexionsgrundlage für die gesamte Struktur
- öffentliche Positionierung und Information im externen Teil
Anlaufstellen
Diese Anlaufstellen richten sich an alle Menschen. Besonders das Awareness-Team während des Festivals bietet Unterstützung nicht nur für Gäst*innen sondern auch alle anderen Menschen: Gäst*innen, Artists, weitere Acts, Crew, Mitwirkende, Dienstleister*innen, Veranstaltungsleitungen, Anwohnende usw.
Awareness-Team
Das Awareness-Team bietet Unterstützung für Menschen, die Diskriminierung oder (sexualisierte) Gewalt erlebt haben. Es arbeitet nach den Prinzipien der Parteilichkeit mit und des Definitionsrechts von betroffenen Personen.
Die Mitglieder des Awareness-Teams sind geschulte und arbeiten streng vertraulich.
Während des Festivals unterstützt das externe Awareness-Kollektiv Dresden (AKO) das Awareness-Team professionell.
Interne Anlaufstelle
Das ist eine dauerhaft bestehende Kontaktstelle innerhalb des Kollektivs. Darin sind Mitglieder des AK Awareness, AK Personal, Helfioffice und je nach Situation weitere Einzelpersonen. Sie arbeitet nach den Prinzipien der Parteilichkeit mit und des Definitionsrechts von betroffenen Personen.
Die Mitglieder der internen Anlaufstelle sind teilweise in Awareness geschult und arbeiten streng vertraulich.
Externe Anlaufstelle
Außerhalb des Festivals gibt es keine externe Anlaufstelle. Soweit möglich, wird der AK Awareness versuchen geeignete Ansprechpersonen (wenn nötig extern) zu finden. Falls dies nicht möglich oder ausreichend sein sollte, besteht immer die Möglichkeit sich an das Netzwerk Awareness Standards zu wenden: https://awareness-standards.info/kontakt/
Kontakt
Das Awareness-Team ist während des Festivals durchgehend erreichbar:
Unterwegs: pinke Westen
Fix: Awareness-Jurte auf dem Platz der Sinne
Telefon: +49 176 52616997
Anonym: Awareness-Briefkasten an der Litfaßsäule
Die interne Anlaufstelle/der AK Awareness ist das ganze Jahr per Mail erreichbar und teilweise während Auf-und Abbau:
Mail: awareness@klangtherapie-festival.de
Telefon: +49 176 52616997
Überarbeitung
Der Arbeitskreis Awareness überprüft dieses Konzept jährlich und Anpassungen werden vorgenommen. Dazu steht der AK Awareness im engen Austausch mit der Kern-Orga, weiteren interessierten Crew-Mitgliedern und externen Awareness-Akteuren.
Du möchtest dich einbringen? awareness@klangtherapie-festival.de
Sichtbarkeit
Dieses externe Konzept wird veröffentlicht auf
- auf dieser Website
- auf der Litfaßsäule direkt nach dem Eingang zum Festival